Fachöffentlichkeit und Partner
Das Projekt „Future International Talents (FIT) for German Climate Businesses“ wird vor dem Hintergrund des novellierten Fachkräfteeinwanderungsgesetzes (FEG) umgesetzt. Dieses Gesetz zielt darauf ab, Fachkräfte mit Berufsausbildung und praktischem Know-how den Weg nach Deutschland zu erleichtern. Die Neuerungen, die zwischen November 2023 und Juni 2024 schrittweise in Kraft getreten sind, eröffnen Unternehmen neue Möglichkeiten, Fachkräfte aus Drittstaaten zu gewinnen. Da es bislang nur wenige praktische Erfahrungen mit den neuen Regelungen gibt, stellt das FIT-Projekt eine wertvolle Gelegenheit dar, diese für das Handwerk zu erproben.
Projekthintergrund
FIT ist ein Pilotprojekt, das sich auf ausgewählte Regionen in Deutschland konzentriert und gezielt Gewerke mit starkem Bezug zur Klimawende sowie einem hohen Fachkräftemangel adressiert. Gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit (BA) und der sequa gGmbH möchte der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz einem Praxistest unterziehen. Ziel ist es, signifikante Erfahrungen mit der neuen Gesetzgebung zu sammeln und eine fundierte Grundlage für dauerhafte Strukturen und Prozesse zur gezielten Fachkräfteeinwanderung aufzubauen.
Kolumbien und Usbekistan wurden als Partnerländer ausgewählt, da sie über ein hohes Fachkräftepotenzial verfügen. Deutschland gilt sowohl in Kolumbien als auch in Usbekistan als besonders attraktives Ziel für Arbeitsmigration. Zudem sind die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und diesen Ländern eng und stabil.
Mit dem Pilotprojekt werden nicht nur internationale Talente in das deutsche Handwerk integriert, sondern es leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung im Hinblick auf die Klimawende.
Ziele und Erkenntnisfragen
Das übergeordnete Ziel des Projekts ist es, dem Fachkräftemangel im Handwerk entgegenzuwirken und damit die Wachstums- und Zukunftschancen des Sektors zu verbessern. Mit der Konzentration auf klimarelevante Gewerke soll darüber hinaus ein Beitrag zum Erfolg der Energiewende und zum Klimaschutz in Deutschland geleistet werden.
Insgesamt sollen 200 Fachkräfte aus Kolumbien und Usbekistan für die Teilnahme am Projekt gewonnen werden. Zusätzlich zu diesem quantitativen Ziel verfolgt das Projekt auch qualitative Zielsetzungen. FIT möchte spezifische Erfolgsfaktoren und Hemmnisse aus Sicht der Handwerksbetriebe ebenso wie aus Sicht der Fachkräfte identifizieren und Verbesserungsvorschläge entwickeln. Zudem sollen Erfahrungswissen und Netzwerkstrukturen für die Fachkräftegewinnung im deutschen Handwerk ausgebaut und verbreitet werden. Mit den Arbeitsverwaltungen in den beiden Herkunftsländern sollen Kompetenzen für eine Rekrutierung im Handwerk und nachhaltige partnerschaftliche Kooperationsstrukturen vertieft, verstetigt und skaliert werden.
In Bezug auf das novellierte Fachkräfteeinwanderungsgesetz soll FIT die Funktionsfähigkeit zweier Wege der Migration erproben. Zum einen den Weg über die sogenannte Fachkräftesäule, bei dem die Einreise zum Zweck der Anerkennung der Gleichwertigkeit einer ausländischen Berufsqualifikation erfolgt (§ 16d Abs. 1 bzw. § 18a AufenthG). Zum anderen den neu geschaffenen Weg über die sogenannte Erfahrungssäule (§ 19c Abs. 2 AufenthG i. V. m. § 6 BeschV). Hierbei handelt es sich um eine gänzlich neue Regelung. Diese Regelung ermöglicht es Personen mit ausgeprägten berufspraktischen Erfahrungen, einen Aufenthaltstitel zu erhalten und unmittelbar als Fachkraft eingestellt zu werden. Ein wesentlicher Schritt zur Realisierung dieses Weges ist die Abnahme von praktischen Arbeitsproben im Herkunftsland zur Einschätzung der berufspraktischen Erfahrung.
Finanzierung
Das Projekt hat im Frühjahr 2024 begonnen und eine Laufzeit bis Dezember 2027. Es wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gefördert.
Die teilnehmenden Betriebe beteiligen sich pro Vermittlung anteilig an den Projektkosten.
Detaillierte Informationen zu den Regelungen der Kostenbeteiligung für Handwerksbetriebe finden Sie hier:
Kontakt und Ansprechpersonen
Das Pilotprojekt wird vom Zentralverband des Deutschen Handwerks und der Bundesagentur für Arbeit durchgeführt. Die sequa gGmbH verantwortet das Projektmanagement.
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